Motivation

Die Aufgaben des Gerichts für fürsorgerische Unterbringungen sind mit einer stetigen Gratwanderung zwischen der notwendigen Hilfe für verletzliche Personen und unverhältnismässigen Eingriffen in die persönliche Freiheit verbunden. Dieser Herausforderung würde ich mich gerne stellen. 

Im Zentrum steht für mich der Respekt vor den betroffenen Personen: Sie dürfen nicht auf eine psychiatrische Diagnose oder eine aktuelle Notlage reduziert werden, sondern sind als individuelle Persönlichkeiten zu achten und in ihrer Menschenwürde zu schützen. 

Die Schnittstellen zwischen Recht und Psychiatrie haben mich in meiner praktischen Tätigkeit stets begleitet. Aus meiner Berufserfahrung als Anwältin und Gerichtsschreiberin kenne ich sowohl die Perspektive der Verfahrensparteien wie die des Gerichts. Nach Abschluss des Studiums war ich an einem kantonalen Gericht tätig und dort mit Verfahren betreffend fürsorgerische Unterbringungen befasst. Ich kenne daher die Abläufe der Verfahren sowie die besonderen menschlichen und rechtlichen Herausforderungen, mit denen die Aufgaben des Gerichts für fürsorgerische Unterbringungen verbunden sind. Als Anwältin habe ich zahlreiche Klient*innen mit psychischen Erkrankungen rechtlich begleitet und in unterschiedlichen Verfahren vor Behörden und Gerichten vertreten. Dabei ist es mir auch in schwierigen Situationen immer wieder gelungen, eine gute Kommunikationsebene zu finden und zu den Betroffenen ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Die Sprache psychiatrischer Gutachten ist mir aus meinem beruflichen Alltag vertraut, was es mir erlaubt, fachärztliche Einschätzungen einzuordnen und auch allfällige Schwachpunkte zu erkennen.

Am Gericht für fürsorgerische Unterbringungen ist die Wahrung der Grundrechte der Betroffenen zentral. Die Anordnung der Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik oder einem Pflegeheim gegen den Willen der Betroffenen stellt einen massiven Eingriff in die persönliche Freiheit dar und muss daher in jedem Einzelfall sehr sorgsam abgewogen werden. Auch die verfahrensmässigen Rechte der Betroffenen sind von grosser Bedeutung; die Betroffenen müssen Gehör finden und das Gericht muss einen korrekten Ablauf der Verfahren gewährleisten. In meiner aktuellen wissenschaftlichen Tätigkeit beschäftige ich mich intensiv mit grundrechtlichen Fragestellungen und ich bringe daher die notwendige Sensibilität für grundrechtliche Aspekte mit.